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Montag, 15. April 2013

Rockabily Mixology III – GENTS Tonic Water

Huch, ein Post über Gin & Tonic? Fast. Im Blickpunkt steht heute Tonic Water.. Aus drei Gründen: Erstens: Es ist Sommer. Zum anderen finde ich das GENTS Tonic ein tolles Produkt, das einen eigenen Platz neben den etablierten Tonics verdient hat. Zum dritten ist es fast zu schade, mit Tonic Water immer nur G&T zu mixen.


GENTS Tonic enthält neben dem Bitterstoff Chinin auch noch Auszüge aus Enzian, der auch dem franzöischen Bitterlikör Suze und Amer Picon seinen Geschmack verleiht. Warum ist also noch niemand davor darauf gekommen, den Bitterstoff in Tonic Water einzusetzen? Das Produkt klingt spannend, hat ein Packaging, das mit seinem surrealistischen Schiff an das Marketing rund um Hendrick’s Gin erinnert, und wird daher einem ausführlichen Test unterzogen. Dennoch, der Benchmark für jedes Tonic ist der Gin & Tonic.

Quelle: www.lion-spirits.de

Gin & Tonic

6 cl Tanqueray Ten
GENTS Tonic Water
Zitronenzeste
Built on Cubes

Als Gin für das Tonic habe ich Tanqueray Ten gewählt. Die Frische der Zitrusfrüchte, die den Gin dominiert soll sich an der speziellen Bitterkeit des GENTS messen.

Die Frische des Gins und das Tonic harmonieren wirklich gut. Der leichte Enzian-Geschmack bleibt erkennbar, bereichert aber den Gin & Tonic mehr als das er ihn verfälscht. Das Tonic zeigt hier, dass es eher ein Tonic für erfahrenere Gaumen ist. Nicht besonders süß und ein tatsächlich neues Geschmackserlebnis.


Quina & Quinine

5 cl Blanco Tequila
3 cl Maurin Quina (durch 2cl Kirschlikör ersetzen)
1,5 cl Agavensirup
1,5 cl Zitronensaft
GENTS Tonic Water

Zum Thema Sommer: Für mich wird dieser Drink der Longdrink des Sommers. Tequila und die Kirsche des Maurin Quina harmonieren perfekt und das Tonic Water gibt dem Drink eine Frische, die geradezu nach einem Liegestuhl ruft.



Disclaimer: GENTS Tonic Water wurde mir kostenlos zur Verfügung gestellt.

Montag, 4. März 2013

Rockabily Mixology II - Cachaca

Neben Wodka hat wohl keine Spirituose unter der großen Cocktailrenaissance so stark gelitten wie Cachaca. Wohl um Rache zu nehmen an zu vielen unsäglich süß-bitteren Caipirinhas versteckte der werte Bartender sie in die zweite oder dritte Reihe seines Kabinetts. Dabei wird der kleine Bruder des Rums unterschätzt. Ein guter Cachaça kann die Kräuternoten des frischen Zuckerrohrs mit der Buttrigkeit eines guten Tequila vereinen. Auch aus diesem Grund will ich im Selbstversuch drei Cocktails mit Cachaça testen, für die es sich hoffentlich lohnt, die Flasche abzustauben.


Phantom Limb (Ryan Shevlin) 

  • 1,5 oz Cachaça
  • 0,75 oz Dry Vermouth
  • 0,25 oz Cointreau
  • 0,25 oz Orgeat
  • 2 ds Absinth
  • 1 ds Grapefruit Bitters

Auf Eis rühren, in Cocktailschale abseihen.


Beginnen wir mit diesem netten Aperitif. Wollte Ryan Shevlin ursprünglich einen Cachaça Mai Tai machen, landete er nach dem Austausch von Limette durch Wermut bei einem tropischen Twist auf den Martini Cocktail. In der Nase grüßen die Frische des Cachaça und die Zitrusnoten des Cointreau. Am Gaumen bilden die leichte Süße des Cachaça und die Mandelnoten ein angenehm weiches Bukett bilden. Den Abgang bilden die Würzigkeit des Absinth und das Orgeat. Ein gelungener Aperitif, der zeigt, welch Eleganz Cachaça Drinks haben können.



Amber Hive (Jay Hepburn) 

  • 1 oz Cachaça
  • 0,75 oz Sloe Gin
  • 0,5 oz Zitronensaft
  • 2 barspoons Campari
  • 2 barspoons Zuckersirup
  • 1 Eiweiß
  • 2 ds Grapefruit Bitters
Mit Eiswürfeln lange shaken, in Cocktailschale abseihen

Als zweites ein komplexeres Sour Konzept. In der Nase wieder Cachaça, am Gaumen ein schönes Spiel zwischen der Frucht des Sloe Gin und dem Campari. Der Cachaça bleibt subtil im Hintergrund, bleibt aber Rückgrat des Drinks. Ein wirklich toller Drink, dessen Komplexität viel Freude bereitet.



Bitter in Brazil (aus dem Citizen, Worcester, USA) 

  • 1,5 oz Cachaça
  • 0,75 oz Grand Marnier
  • 0,5 oz Punt e Mes
  • 0,25 oz Zuckersirup
  • Fernet Branca
Das Old Fashioned Glas mit Fernet Branca auswaschen, restliche Zutaten auf Eiswürfeln rühren, dann in Glas mit Eiswürfeln abseihen.

Nun also der Digestif. Schon die Nase macht klar: Der Drink verlangt Zeit. In der Nase die Kräuter des Fernet, die schon in Tabaktöne übergehen. Am Gaumen Orange und unendlich viel Karamel. Der Wermut ist fast gar nicht zu schmecken. Ein sehr süßer, sehr würziger Cocktail, bei dem der Cachaça schon fast nicht mehr zu schmecken ist.


Fazit: Cachaça ist durchaus vermixbar und hält auch modernen Cocktailstandards stand. Allerdings: Nach einem Abend mit Cachaça bin ich auch wieder für einige Zeit gesättigt. Er bleibt ein schwieriger Geselle. Welchen Drink man aber mal tatsächlich ausprobieren sollte ist der Amber Hive.

Samstag, 26. Januar 2013

Rockabilly Mixology I - Kümmel

Nach kurzer Kreativpause fängt (verspätet) das neue Jahr für das Manhattan Projekt an. Die Beiträge in kommender Zeit werden sich meist den drei großen Themen 2013 widmen: Sterne-Cocktails; Ubiquität guten Trinkens und „Rockabilly“.
Was bedeutet das nun? Ziel der Reihe „Rockabilly Mixology“ soll sein, ungenutzte Zutaten zu neuen Höhen zu bringen um zu zeigen, dass nicht nur Über-Cocktails mit Über-Zutaten einen Platz an der Bar haben, sondern auch kreative, ungewöhnliche Mischungen, die einen anfangs etwas skeptisch auf die Karte blicken lassen.

Den Anfang wird der gute alte Kümmel machen. Und genau das ist sein Problem. Er ist gut und alt und man assoziiert ihn doch eher mit Grünkohl und alten Menschen. Dabei hat er eine lange Tradition als Cocktailzutat. Der „Gilka Kümmel“ wird z.B. bereits im Old Waldorf Astoria Barbook von 1935 als traditionelle Zutat aus Riga und Russland beschrieben und dort in Drinks wie dem „Kingston“ (Jamaika Rum, Kümmel, Orangensaft, Pimento Dram), dem „Loensky“ (Scotch, Kümmel, Kein Eis) oder dem „Lune de Miel“ (Creme de Cacao White, Parfait Amour, Kümmel, Eigelb), von dem das Buch zu berichten weiß, dass er „öfter getrunken als richtig ausgesprochen“ werde. Ausprobiert habe ich insbesondere letzteren aber nicht. Ich wäre begeistert, wenn das der geneigte Leser täte – ich bin dafür nicht mutig genug.

Im Pioneers of Mixing at Elite Bars wird hingegen der Kümmel aus Deutschland gelobt. Qualitative Unterschiede sind mir nicht bekannt, sowohl Helbing als auch Gilka sind in Deutschland verbreitet. Combier macht ebenfalls einen hervorragenden Kümmellikör.

Headkick (Jeff Grdinich, Drink, Boston)

 

 

  • 1 oz Fasstärken-Rye Whiskey (Willett)
  • 1 oz Dry Vermouth (Dolin Dry)
  • 3/4 oz Kümmel (Helbing)
  • 1/4 oz Chartreuse (Gelb)
  • 1 ds Orange Bitters (Angostura)
  • 1 dash Celery Bitters (TBT)

Auf Eis rühren und in Cocktailschale abseihen. Mit Zitronentwist garnieren.

Der Fassstärken-Rye gibt einen prägenden, aber zurückhaltenden Hintergrund für das Spiel von Kümmel und Chartreuse. Die Süße der Liköre wird durch den Wermut deutlich abgemildert. Im Abgang wird der Rye wieder deutlich. Ein schöner Aperitif, der sich nicht aufdrängt.


Spice Trade (Kirk Estopinal, Beta Cocktails)
  • 1 oz Kümmel (Helbing)
  • 1 oz Herbsaint Legendre
  • 3/4 oz Orange Curacao (Pierre Ferrand)
  • 2 ds Aromatic Bitters (Angostura)

Auf Eis rühren und in Cocktailschale abseihen.

Der Spice Trade fällt schon sehr unter die Kategorie “fancy”. Schwere Noten von Anis und Kümmel, die das Aufbegehren des Curacao versuchen kleinzuhalten. Kein Easy-Drinking-Cocktail. Geeignet eher für fortgeschrittene Absinth-Trinker, die etwas “Mildes” möchten.


Alice (Stan Jones, Jones’ Complete Barguide) 

 


  • 1 oz Blended Scotch (Johnnie Walker Black Label)
  • 1 oz Punt e Mes
  • 1 oz Kümmel (Helbing)
Auf Eis rühren und in Cocktailschale abseihen. Orangentwist über dem Glas ausdrücken.


Im Stakkato überschwemmen hier die Aromen die Geschmacksnerven. Orangenöl, Rauch und Kümmel in schneller Abfolge. Die Aromen überlagern sich nicht, sie wechseln sich ab. Hat man in der Nase noch Orange und Rauch, erscheint am Gaumen zunächst der süße Kümmel, gefolgt von einer zutiefst beglückenden Weinigkeit. Im Nachgeschmack wieder Rauch und Kümmel. Beeindruckend, der simpelste und der beste Cocktail des heutigen Abends. Einer, der einem klassischen Negroni oder Rob Roy in handwerklicher Simplizität, aber geschmacklicher Eleganz in nichts nachsteht. Toll.


Es lohnt sich also, den Kümmel mal wieder abzustauben.